19 Mai 2017
16:00 - 17:00
Großer Saal

Wolfsmanagement – Die Pflanzenfresser-/Beutesicht

Wölfe werden seit jeher mit Wildnis assoziiert. In den letzten Jahrzeiten haben sich Wölfe von Osten nach Westen und von Süden nach Norden ausgebreitet und bewiesen, dass sie auch in Kulturlandschaften erfolg- reich leben können. Menschen sind schon lange nicht mehr mit Wölfen in Berührung gekommen, sodass nun Konflikte entstehen, die mit der wachsenden Wolfspo- pulation noch zunehmen werden. In den meisten Fällen basiert Wolfmanagement auf Gesetzen zum Schutz des Wolfes, Wolfsmanagementplänen, Aufklärungsarbeit und Nutztierschutzprogrammen. Aber dem wichtigste Faktor zur Vermeidung von Wolf-Mensch-Konflikten, nämlich ausreichend Beute, wurde bis heute wenig bis gar keine Beachtung geschenkt und bisher wurden in dieser Angelegenheit auch keine nationalen Stra- tegien entwickelt. Ihr wurde bisher keine oder nur unzureichende Aufmerksamkeit im nationalen und regionalen Wolfsmanagement beigemessen.

Der Autor wird zunächst erläutern, was eine natür- liche Beutebasis ist. Bevor die Frage beantwortet wird, wie diese wiederhergestellt werden kann, ist es wichtig, zunächst die Vergangenheit, ausgehend vom Jung-Pleistozän, zu kennen. Diese Periode war durch das Aussterben der vielen Mega-Tierwelt-Spezies, vor allem der großen Grasfresser, geprägt. Was war der Grund für das Aussterben und welche Konsequenzen hatte es für die übrigen Säugetiere (sowohl Pflanzen- als auch Fleischfresser)? Welche große Gruppe von Pflanzenfressern gab es am Anfang des Holozäns? Welchen indirekten Einfluss nahm der Mensch durch seine indirekte und direkte Beeinflussung der großen Pflanzenfresser auf die Landschaft? Gab es aus Sicht der Pflanzenfresser in Europa jemals eine „natürliche“ Holozän-Landschaft? Wie hat sich die Gruppe der großen Pflanzenfresser in Westeuropa bezüglich der Spezies, Anzahl und Verbreitung während des Holo- zäns weiterentwickelt?

Das Pflanzenfressen im Allgemeinen ist einer der dominanten, ökologischen Prozesse in vielen terrest- rischen Ökosystemen. Die Rolle des Pflanzenfressens, besonders bei großen Pflanzenfressern wird ebenso diskutiert werden wie die Bedeutung von großen Grasfressergruppen und die Auswirkungen der (ver- schiedenen) großen Grasfresser auf die Landschaft. Wo stehen wir heute? Wie groß ist die Populations- dichte der großen Pflanzenfresser und worauf basiert sie? Welche großen Pflanzenfresser fehlen uns? Wie beeinflussen die oben genannten Faktoren die derzei- tige Wolfspopulation und wie können wir die natürliche Beutebasis für Wölfe wiederherstellen, um Konflikte in Zukunft zu minimieren?